Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Auf dieser Seite möchten wir häufig gestellte Fragen zu „Stipendienspenden“ beantworten.

Inwiefern hängen die Einführung des „Deutschlandstipendiums“ und die Erhöhung des Büchergeldes (inzwischen in Studienkostenpauschale umbenannt) bei den Begabtenförderungswerken zusammen?

Antwort

Das „Deutschlandstipendium“ ging auf Betreiben von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Sommersemester 2011 an den Start.  Durch das „Deutschlandstipendium“ werden Studierende monatlich mit € 300,- gefördert. Dabei kommen fünfzig Prozent des Betrags vom Bund, die andere Hälfte stammt aus privater Hand, beispielsweise von Unternehmen. Das Einwerben des privaten Anteils sowie die Auswahl der StipendiatInnen erfolgt durch die Universitäten. Da die € 300,- beim „Deutschlandstipendium“ einkommensunabhängig ausgezahlt werden, hielt man es für geboten, auch bei den StipendiatInnen der etablierten Begabtenförderungswerke den Anteil der einkommensunabhängigen Förderung – das so genannte „Büchergeld“ – von monatlich € 80,- zunächst auf € 150,- und bis 2013 auf € 300,- anzuheben, um diese StipendiatInnen nicht schlechter zu stellen.

Die meisten Begabtenförderungswerke haben die Erhöhung des Büchergeldes (inzwischen in Studienkostenpauschale umbenannt) begrüßt. Ihren Berechnungen zufolge müssten heutige StipendiatInnen mindestens € 220,- erhalten, um
in der Kaufkraft mit den DM 150,- von 1980 gleichzuziehen. Warum ignoriert ihr diese Tatsache?

Antwort


Wir bestreiten nicht, dass man das Büchergeld mit Blick auf die Inflation anheben müsste. Dies setzt allerdings voraus, dass man die StipendiatInnen überhaupt mit so viel Kaufkraft, wie von den Befürwortern einer Anhebung gefordert, ausstatten möchte. Wir plädieren vielmehr für eine stärkere Ausrichtung der Stipendien an der tatsächlichen Bedürftigkeit der StipendiatInnen. Dafür ist eine pauschale Erhöhung des Büchergeldes für alle StipendiatInnen aus unserer Sicht kein geeignetes Mittel. Gleichzeitig halten wir die aktuellen Bemühungen der Begabtenförderungswerke, mehr StipendiatInnen aus nichtakademischen Elternhäusern und/oder mit Migrationshintergrund aufzunehmen, für eine positive Entwicklung.

Es gibt StipendiatInnen, die auf das erhöhte Büchergeld (inzwischen in Studienkostenpauschale umbenannt) angewiesen sind, um gut studieren und leben zu können. Werden diese nicht durch Eure Initiative bevormundet?

Antwort


Auch wenn wir alle StipendiatInnen auffordern, darüber nachzudenken, ihr erhöhtes Büchergeld oder einen Teil davon zu spenden, wollen und können wir mit unserer Initiative nicht für alle StipendiatInnen sprechen. Wir bezweifeln keineswegs, dass es StipendiatInnen gibt, die auf das erhöhte Büchergeld angewiesen sind. Daher haben wir auch keine pauschale Spendenhöhe vorgegeben, sondern wir rufen dazu auf, dies nach eigenem Ermessen zu entscheiden. Den aktuellen Studien zur sozialen Lage der StipendiatInnen zufolge sollte ein Großteil von uns jedoch in der Lage sein, auch mit weniger Geld als dem aktuellen Satz ein erfolgreiches Studium zu bestreiten.

Einige StipendiatInnen befürchten, dass durch Eure Initiative die aktuelle Erhöhung des Büchergeldes (inzwischen in Studienkostenpauschale umbenannt) zurückgenommen wird. Wie geht ihr mit dieser Befürchtung um?

Antwort


Einerseits können wir verstehen, dass StipendiatInnen, die das erhöhte Büchergeld dringend benötigen eine Rücknahme der Erhöhung im Zuge unserer Initiative befürchten. Andererseits wissen wir im Moment nicht, ob unsere Initiative überhaupt einen politischen Effekt haben wird. Prinzipiell begrüßen wir, dass die aktuelle Regierung durch zusätzliche Mittel versucht, die Studienbedingungen zu verbessern. Besonders die Einführung der Studiengebühren in vielen Bundesländern hat weitere Programme zur Unterstützung der Studienfinanzierung dringend notwendig gemacht. Wir kritisieren vor allem, dass Deutschlandstipendium und Büchergeld einkommensunabhängig vergeben werden. Zudem denken wir, dass es geeignetere Wege gibt, um Studierenden bei der Studienfinanzierung zu unterstützen, z.B. eine weniger strenge Festlegung der BAföG-Ermessensgrenze. Sollte es zur Rücknahme der Büchergelderhöhung kommen, so würden wir uns dafür einsetzen, dass die freigewordenen Mittel weiterhin in den Bildungsbereich investiert werden und im Gegensatz zu einer pauschalen Verteilung von Fördergeldern gezielter denjenigen Studierenden zu Gute kommen, die im Moment nachweislich Schwierigkeiten haben, ihr Studium zu finanzieren.

Warum sollten Stipendiaten überhaupt ihre Studienkostenpauschale (früher Büchergeld) spenden, nur weil sie es nicht „unbedingt brauchen“? Es geht bei Stipendien nicht um Bedürftigkeit. Stipendiaten haben durch herausragende Leistungen gezeigt, dass sie förderungswürdig sind und bekommen dafür das Büchergeld! 

Antwort

An diesem Punkt scheiden sich grundlegende Überzeugungen über die Gestaltung von Förderinstrumenten für Begabte. Eine mögliche Motivation der Frage ist die Vorstellung, dass das Büchergeld eine Form der Belohnung für gute Leistungen darstellt. Es ist somit ein Anreiz sich anzustrengen ein Stipendium zu erhalten und dabei Kompetenzen zu erlangen, die der Gesellschaft nützlich sind. Entscheidend für die politische Frage, ob Büchergeld im Ausmaß von 300 Euro monatlich pauschal ausgezahlt werden soll, ist, inwieweit die gesteigerte Leitungsfähigkeit der Studierenden die Kosten dieses Anreizes rechtfertigt. Stipendienspenden ist überzeugt, dass es schon genügend gesellschaftliche und finanzielle Anreize gibt, sich in Schule und Studium anzustrengen, sodass ein pauschal erhöhtes Büchergeld als Anreiz/Belohnung seine Kosten nicht rechtfertigen kann. Zudem erklärt auch die Stiftungsleitung selbst, dass das Büchergeld nicht als Belohnung gedacht ist.

Eine andere Grundlage dieser Frage ist die Annahme, dass mehr Geld immer auch mehr Förderung von Potentialen darstellt. Auch da ist Stipendienspenden anderer Meinung. Wir denken: je weniger Bedarf vorliegt, desto weniger wirksam ist das zusätzliche Büchergeld als Förderung von Leistungspotentialen.  Für diese simple Formel gibt es natürlich Gegenbeispiele, wie Studierende, die tatsächlich sehr umfänglich teure Materialien für ihr Fach benötigen (dann liegt aber auch Bedarf vor). Für solche Fälle müssen andere Lösungen gefunden werden und die Aufforderung zur Spende richtet sich nicht an diese Gruppe. Alle anderen sollten sich fragen, inwieweit das zusätzliche Geld bei Ihnen den politischen Zweck der Begabtenförderung tatsächlich erfüllt. Wir sind bei uns zu dem Schluss gekommen, dass unser Büchergeld, das immerhin aus Steuermitteln kommt, der Gemeinschaft, die diese Gelder aufbringt, mehr nützt, wenn es anders verwendet wird.

Wie wurden die Projekte ausgewählt?

Antwort


Ende des Jahres 2010 wurden vor allem die StipendiatInnen der Studienstiftung des deutschen Volkes von uns dazu aufgerufen, Vorschläge für förderungswürdige Bildungsprojekte zu machen. Aus einer Vielzahl von Vorschlägen haben wir schließlich drei besonders geeignete Projekte ausgewählt. Dabei war uns unter anderem wichtig, dass die Projekte möglichst bundesweit agieren. Außerdem haben wir auf eine gute Durchmischung bei den Zielgruppen und den Zielen der Projekte geachtet. So hilft „Arbeiterkind.de“ hauptsächlich OberstufenschülerInnen bei der Aufnahme eines Studiums, „Rock your Life!“ kümmert sich um den Berufseinstieg von HauptschülerInnen der 8. und 9. Klassen und „Plan MSA“ unterstützt wiederum SchülerInnen der 10. Jahrgangsstufe mittels Nachhilfe.

Werden in Zukunft auch andere Projekte gefördert werden?

Antwort


Einerseits halten wir es natürlich für wichtig, die Projekte längerfristig zu unterstützen, um ihnen eine kontinuierliche Arbeit zu ermöglichen. Andererseits sind wir jederzeit offen für Vorschläge neuer Projekte. Wir planen derzeit, im nächsten Jahr eine erste Evaluation durchzuführen, bei der wir dann ermitteln, ob die aktuellen Projekte auch weiterhin unserer Unterstützung bedürfen. Auf lange Sicht hoffen wir natürlich, einen demokratischen Entscheidungsprozess etablieren zu können, in dem möglichst alle StipendiatInnen über die Projektauswahl entscheiden können.

Wird die Verwendung der Büchergeld-Spenden kontrolliert?

Antwort


Wir können natürlich nicht genau kontrollieren, wie die Projekte die Spendengelder einsetzen. Allerdings stehen wir mit den unterstützten Projekten in engem Kontakt. Diese teilen uns halbjährlich mit wie viele Büchergeld-Spenden sie erhalten haben. Diese Zahlen werden wir dann auf der Seite „Statistiken“ veröffentlichen. Gleichzeitig haben wir auf der Seite „Bildungsprojekte“ Informationen zum Finanzbedarf der einzelnen Projekte zusammengestellt. Diese basieren auf den Angaben der Projekte. Zudem hoffen wir, in naher Zukunft auch Auskünfte über die konkrete Verwendung der Büchergeld-Spenden vonseiten der Projekte bieten zu können.